What's your Flow

Katrin Strumpf bloggt über Lebensfragen und Alltägliches

15/01/2017
by Katrin
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“Es reicht!” oder wann ist genug genug

„Mir reicht‘s!“ – ein Ausspruch den ich oft verwende, wenn ich damit einen Schlussstrich will oder über ein Thema nicht mehr sprechen will. Selten ist es eine Aussage die ich in dem Sinne treffe, dass etwas genügend vorhanden ist und ich daher dankend ablehne. Ich frage mich ob ich eigentlich erkenne wann etwas reicht und genug ist. Dem will ich mich heute nähern.

„Das hab ich alles nicht!“

Wie oft wollen wir mehr, als wir gerade haben? Wie oft ist es der Mangel, auf den wir unser Augenmerk richten und nicht die Fülle, die uns ebenfalls umgibt? Selten geht es bei „genug“ um das Lebensnotwendige. Das Gefühl von genug oder nicht genug kommt von woanders her… Das Monster der Unersättlichkeit, das in uns giert. Aus der Prägung unserer kapitalistischen höher-schneller-weiter-Welt. Aus einem Gefühl von nicht-genährt-Sein. Sicherlich ist es ein Gemisch aus individuellen und kollektiven Kräften, die hier am Werk sind, und die uns in unserem inneren Filmtheater immer und immer wieder das Märchen vom Fischer und seiner Frau durchspielen lassen.

Wann ist es denn genug?

Wenn der Topf überquillt? Wir sind unersättlich! Wenn der Kontostand auf „eine Million Dollar“ zeigt? Yeah – Dann können wir mehr von dem kaufen, was wir dringend brauchen! Und dann gibt es da noch das Nicht-genug an Liebe, Anerkennung und Zuwendung: wie dieses Loch stopfen? Endlich jemanden (am besten „den Einen“ oder „die Eine“) finden, der oder die diesen Eimer ohne Boden auffüllen kann bis es genug ist.

Und was passiert wenn wir all das nicht bekommen: Wir sind unzufrieden. Die Unzufriedenheit kriecht durch unsere Zellen und lässt alles, was wir anschauen in einem unschönen Licht erscheinen. Dann machen wir uns vielleicht Druck und tun immer mehr und mehr, um mehr zu bekommen (Weil mehr scheinbar mehr hilft). Oder wir verlangen von unserer Umwelt, dass „jemand anders“ diese Bedürfnisse stillt (Weil wir dann die Verantwortung nicht übernehmen müssen). Oder aber wir fühlen uns gelähmt und geben resigniert auf, denn es wird ja eh nie genug sein (Weil wir diese Erfahrung schon mal gemacht haben). So ein Teufelskreis aber auch!

Genügen geht subjektiv

Das Trickreiche ist, dass das gefühlte Genug niemals ein objektiver Wert sein kann. Es ist etwas, dass jedeR für sich herausfinden muss. Ein Weg aus dem Labyrinth der Gelüste und Begierden. Bemerken, was wirklich wichtig ist, was innere Lust bereitet. Spüren, wo die eigene Grenze des Genügens sich befindet. Auch, dass genug für alle da ist, und wir nicht zusätzlich in Vergleich und Konkurrenz verharren. Empfinden, dass ich genug bin. Und Du. Und dann das eigene Konsumverhalten und Handeln an diesen Werten ausrichten.

Jetzt wird genügt!

Hier sind einige Gedanken und Fragen, die mir in diesem Zusammenhang hilfreich sind:

  • Was brauche ich wirklich zum Leben? Was brauche ich im Leben. Was ist Spielerei oder Luxus (was total ok ist, aber check‘ es und sei Dir bewusst darüber).
  • Ohne wen oder was kann ich scheinbar nicht leben. Was ist, wenn ich ganz mit mir bin, ohne andere Menschen auf die ich mich beziehen kann und ohne Dinge?
  • Das was noch nicht genug ist, was ist das? Wozu brauche ich es? Zum Glücklich-werden oder um mich sicher zu fühlen…
  • Eine Freundin sagte mir einmal: „solange wir etwas kriegen wollen, sind wir im Krieg damit.“ Also: mehr Frieden für sich selbst vereinfacht es, Dinge zu empfangen und das zu sehen, was bereits da ist.
  • Einfach mal schauen und staunen, was Dich und mich alles umgibt.
  • Lass die Idee eines einfachen Lebens an Dich ran. Vieles zu besitzen und zu haben, und immer mehr zu wollen und dadurch auch zu müssen verkompliziert das Leben und lenkt vom Sein ab.
  • Einfach Sein ist jetzt (schon) genug. Spür das mal – voll entspannt, oder?P1100016

So, das ist jetzt aber mal ge…reade genug gewesen!

Viel Freude beim Genügen, Empfangen und Sein.

18/02/2016
by Katrin
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Rock it, Baby

Im letzten Jahr habe ich meinen Liebsten geheiratet. In einem Ritual am Feuer haben wir uns gegenseitig gesagt, wie wir miteinander umgehen möchten, dass wir uns im Sein und Tun auf dieser Erde begleiten und die vielen Gesichter der Liebe gemeinsam näher kennen lernen wollen. Allein über dieses Ritual und über die Heiligkeit, die zwischen zwei Menschen durch Liebe entsteht könnte ich hier einen langen Text schreiben. Aber heute erzähle ich eine andere Geschichte: nämlich die Geschichte von mir und meinem Rock, den ich an diesem Tag trug.

Nicht / ganz in Weiß

Aus verschiedenen Gründen hatte ich für meine Hochzeit kein weißes Kleid im Sinn. Aber etwas Besonderes sollte es schon sein, ich wollte ich mich SELBST sein und zeigen. Nun, was tun – denn die üblichen Kleider von der Stange luden mich nicht gerade ein, mich besonders zu fühlen? Ich sprach darüber mit einer Freundin, der spontan Barbara einfiel, eine Schneiderin, die in Bayern lebt und arbeitet. Gleich hatte ich ein gutes Gefühl und machte einen mehrtägigen Termin mit ihr aus, so dass wir uns in Ruhe meinem Gewand widmen konnten.

Ran ans Eingemachte

Nun, der erste Tag des Gewandschneiderns fiel auf den Tag nach einem besonderen Jahrestag, denn genau vor 2 Jahren hatte ich im 9. Monat meinen Sohn tot zur Welt gebracht. Die Erinnerungen an diese Zeit waren an diesem Tag sehr präsent. Ich spürte, wie dieses Ereignis so was von Vergangenheit ist, und dennoch ein Teil von mir im Hier und Jetzt. Ich konnte fühlen, wie genau das Qualitäten von Weiblichkeit sind: Leben zu erwarten und Tod zu gebären, und sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, auch wenn das bedeutet, Mutter für ein unsichtbares Kind zu sein. Mir wurde so klar in diesen Tagen, wie sich uns das Geheimnis des Lebens in einer Fülle offenbart, die eine umhauen kann. Weil wir auf den Schmerz nicht vorbereitet sind, der entsteht, wenn Liebe den geplanten Kanal nicht nutzen kann oder unsichtbar ist oder aus unserer Sicht unerwidert bleibt. Ich konnte aber auch spüren, dass die Zeit der Trauer vorbei ist, und ich leuchtend mittendrin stehe, im Hier und Jetzt.

028_28Eine wilde Mischung

Und so war es kein Zufall, dass der Stoff für meinen Rock aus Rosen, Borkenkäfern, Bienen und Schmetterlingen bestand. Schau Dir eine Rose an, wie sie sich weit öffnet was auch kommt, dieses Symbol der Liebe und Weiblichkeit, und deren Dornen für den Schmerz in der Liebe stehen. Borkenkäfer, die wie der Skarabäus in Ägypten Tod und Wiedergeburt symbolisieren, denn durch das Loslassen von etwas Altem wird Neues möglich. Bienen, die für das Matriarchat und eine unerschöpfliche Fruchtbarkeit stehen. Und Schmetterlinge, welche die Veränderung schlechthin verkörpern, wo durch Metamorphose eine dicke träge Raupe in ein leichtes fliegendes Wesen verwandelt wird – so wie aus Schwerem das Leichte werden kann.

Mein Rock, mein Raum und ich

Das Werden meines Gewandes war zutiefst ein Einlassen auf mich SELBST. Es war ein Weg, mich meiner Weiblichkeit wieder ein Stück mehr zu öffnen und meine verletzlichen Teile und starken Seiten sichtbar zu machen. Mich damit zu schmücken und zu sehen, wie sehr sie mich kleiden. Es ging dahin, MIR zu zeigen, dass ich eine sinnliche Frau bin, die mit Kleidern im Fluss baden geht. MICH darin zu spüren, dass ich eine mutige Frau bin, die sich nicht vor den Schatten fürchtet. MIR darüber klar zu werden, dass durch meine Fühlung mit den Stoffen und der Reise zu mir der Weg zum DU und WIR klarer wird. So wurde dieser Rock Teil meines Gewands und das Gewand Teil meiner Geschichte, und diese Geschichte ist eine Love-Story. Eine Love-Story zwischen mir und mir, mir und ihm, mir und dem Leben… eine, die immer wieder Suche ist, und Herausforderung, die Dankbarkeit in mir weckt und immer wieder von neuem beginnt.

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Und das ist es, was ich zum Ende meiner Geschichte hier mitgeben möchte:
Mensch! Nimm dich wahr, in deiner ganzen Vollkommenheit – ob Du gerade Freude, Schmerz, Wut oder Ekstase bist. Und begegne in diesem Bewusstsein deinem Gegenüber – dann ist Liebe und Liebe ist.

 

P.S. Danke an Barbara – für deine Rock-Magie und die Fotos!