What's your Flow

Katrin Strumpf bloggt über Lebensfragen und Alltägliches

Rock it, Baby

| 0 comments

Im letzten Jahr habe ich meinen Liebsten geheiratet. In einem Ritual am Feuer haben wir uns gegenseitig gesagt, wie wir miteinander umgehen möchten, dass wir uns im Sein und Tun auf dieser Erde begleiten und die vielen Gesichter der Liebe gemeinsam näher kennen lernen wollen. Allein über dieses Ritual und über die Heiligkeit, die zwischen zwei Menschen durch Liebe entsteht könnte ich hier einen langen Text schreiben. Aber heute erzähle ich eine andere Geschichte: nämlich die Geschichte von mir und meinem Rock, den ich an diesem Tag trug.

Nicht / ganz in Weiß

Aus verschiedenen Gründen hatte ich für meine Hochzeit kein weißes Kleid im Sinn. Aber etwas Besonderes sollte es schon sein, ich wollte ich mich SELBST sein und zeigen. Nun, was tun – denn die üblichen Kleider von der Stange luden mich nicht gerade ein, mich besonders zu fühlen? Ich sprach darüber mit einer Freundin, der spontan Barbara einfiel, eine Schneiderin, die in Bayern lebt und arbeitet. Gleich hatte ich ein gutes Gefühl und machte einen mehrtägigen Termin mit ihr aus, so dass wir uns in Ruhe meinem Gewand widmen konnten.

Ran ans Eingemachte

Nun, der erste Tag des Gewandschneiderns fiel auf den Tag nach einem besonderen Jahrestag, denn genau vor 2 Jahren hatte ich im 9. Monat meinen Sohn tot zur Welt gebracht. Die Erinnerungen an diese Zeit waren an diesem Tag sehr präsent. Ich spürte, wie dieses Ereignis so was von Vergangenheit ist, und dennoch ein Teil von mir im Hier und Jetzt. Ich konnte fühlen, wie genau das Qualitäten von Weiblichkeit sind: Leben zu erwarten und Tod zu gebären, und sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, auch wenn das bedeutet, Mutter für ein unsichtbares Kind zu sein. Mir wurde so klar in diesen Tagen, wie sich uns das Geheimnis des Lebens in einer Fülle offenbart, die eine umhauen kann. Weil wir auf den Schmerz nicht vorbereitet sind, der entsteht, wenn Liebe den geplanten Kanal nicht nutzen kann oder unsichtbar ist oder aus unserer Sicht unerwidert bleibt. Ich konnte aber auch spüren, dass die Zeit der Trauer vorbei ist, und ich leuchtend mittendrin stehe, im Hier und Jetzt.

028_28Eine wilde Mischung

Und so war es kein Zufall, dass der Stoff für meinen Rock aus Rosen, Borkenkäfern, Bienen und Schmetterlingen bestand. Schau Dir eine Rose an, wie sie sich weit öffnet was auch kommt, dieses Symbol der Liebe und Weiblichkeit, und deren Dornen für den Schmerz in der Liebe stehen. Borkenkäfer, die wie der Skarabäus in Ägypten Tod und Wiedergeburt symbolisieren, denn durch das Loslassen von etwas Altem wird Neues möglich. Bienen, die für das Matriarchat und eine unerschöpfliche Fruchtbarkeit stehen. Und Schmetterlinge, welche die Veränderung schlechthin verkörpern, wo durch Metamorphose eine dicke träge Raupe in ein leichtes fliegendes Wesen verwandelt wird – so wie aus Schwerem das Leichte werden kann.

Mein Rock, mein Raum und ich

Das Werden meines Gewandes war zutiefst ein Einlassen auf mich SELBST. Es war ein Weg, mich meiner Weiblichkeit wieder ein Stück mehr zu öffnen und meine verletzlichen Teile und starken Seiten sichtbar zu machen. Mich damit zu schmücken und zu sehen, wie sehr sie mich kleiden. Es ging dahin, MIR zu zeigen, dass ich eine sinnliche Frau bin, die mit Kleidern im Fluss baden geht. MICH darin zu spüren, dass ich eine mutige Frau bin, die sich nicht vor den Schatten fürchtet. MIR darüber klar zu werden, dass durch meine Fühlung mit den Stoffen und der Reise zu mir der Weg zum DU und WIR klarer wird. So wurde dieser Rock Teil meines Gewands und das Gewand Teil meiner Geschichte, und diese Geschichte ist eine Love-Story. Eine Love-Story zwischen mir und mir, mir und ihm, mir und dem Leben… eine, die immer wieder Suche ist, und Herausforderung, die Dankbarkeit in mir weckt und immer wieder von neuem beginnt.

052_52

Und das ist es, was ich zum Ende meiner Geschichte hier mitgeben möchte:
Mensch! Nimm dich wahr, in deiner ganzen Vollkommenheit – ob Du gerade Freude, Schmerz, Wut oder Ekstase bist. Und begegne in diesem Bewusstsein deinem Gegenüber – dann ist Liebe und Liebe ist.

 

P.S. Danke an Barbara – für deine Rock-Magie und die Fotos!

Leave a Reply

Required fields are marked *.